Mesopotamien und die Berge Nemrut
· Stephan
Das mit dem Sonnenaufgang am Gipfel hat dann nicht so ganz hingehauen. Habe leider ein bisschen verschlafen und war somit erst eine Stunde nach Sonnenaufgang auf dem Gipfel. Die letzten Höhenmeter muss man dorthin zu Fuß erledigen. Was in Endurostiefel schon eine Schweiß treibende Angelegenheit sein kann. Auf dem Weg kamen mir ca. 50 Gipfelstürmer auf ihrem Rückweg entgegen. Oben angekommen war ich dann alleine. Da habe ich ja doch noch Glück gehabt. Ein paar Fotos geschossen und die Aussicht genossen. Dann wieder recht zügig zur Pension den das Frühstück gibt es erst nach der Besteigung.
Auf der Anschließenden Abfahrt vom Berg habe ich auch dann das erste mal in meinem Leben eine Ölbohrung gesehen. Pumpen waren schon vorher vereinzelt am Wegesrand zu sehen, aber nur war es eine richtige Bohrbaustelle - tolles Wort.
Nachdem wir ja nun für diesen Tag schon Berg(e) hatten folgten wieder erst einmal weite Ebenen. Aber vorher galt es noch mit einer Fähre den Atatürkstausee und somit auch den Euphrat zu überqueren. Auf dem Weg zum Anleger traf ich den Radfahrer Geal aus Frankreich, welcher auf dem Weg nach China ist. Gemeinsam rollten wir zum Anlieger. Und es kam auch schon eine Fähre. Doch die wurde nur entladen um dann leer wieder abzutuckern und einige Meter weiter vor Anker zu gehen. Also warten! Zeit für einen Tee. Wir ergatterten einen der Tische im Schatten und genossen den Cay. Ca. eine halbe Stunde später kam dann auch schon die nächste Fähre. Mittlerweile hatten sich natürlich eine etwas längere Schlange an Bussen, Kleintransportern, PKWs und LKWs angesammelt. Sobald das erste Fahrzeug von der Fähre herunterfuhr versuchte jeder der Wartenden die für sich bester Ausgangsposition vor der Föhre zu ergattern. Irgendwie schafften die Jungs von der Fähre es dann auch irgendwie jeden noch so kleinen Winkel auszunutzen, so das keiner der Wartenden zurückgelassen werden mußte. Nur Geal und ich hatten uns noch einen Cay bestellt. Zum erstaunen der anderen Passagiere teilten wir ihnen mit, das sie ruhig fahren sollten. Wir würden die nächste Fähre nehmen und uns noch einmal das Spektakel des be- und entladen anschauen. Einen Fahrplan für die Fährverbindungen haben wir nirgendwo gesehen. Aber egal. Ich schätze mal das es wieder eine halbe Stunde bis zur nächsten Ankunft gedauert hat. Aber wir haben nicht auf die Uhr geguckt. Diesmal sollte die Fähre halb leer bleiben, so das für alle Fahrgäste genügend Platz war. Fahrräder zahlen übrigens keine Gebühr, Motorräder 2,5 Euro.
In Mesopotamien gab es dann erst einmal wieder die üblichen weiten Ebenen. Das ruhige dahingleiten wird nur ab und zu durch die üblichen Straßenbaustellen unterbrochen. Mein Nachtlager für diesen Abend fand ich in einem kleinen Hotel in der Stadt Diyarbakir am Tigris, der Hochburg der PKK in Südostanatolien. Der Reiseführer warnt vor Besichtigungen der antiken Stadtmauern im Alleingang. So hielt ich mich nur an die alte Karavanserei und die Uli Moschee in der ich mich fast eine Stunde mit dem jungen Kurden Siran, welcher ein kleines Internetcafe betreibt und sich dort ganz gut englisch Beigebracht hat. Und es gab natürlich mal wieder Döner.
Die Sehenswürdigkeiten werden im diesen Landesteil der Türkei langsam seltener, dafür die Menschen scheinbar noch herzlicher. Bei jedem noch so kleinen Stop wird man sofort zum Cay eingeladen. Die weitere Fahrt brachte mich wieder zum Berg Nemrut. Diesmal ist es aber ein erloschener Vulkan welcher diesen Namen trägt. Über eine 13 Kilometer lange Anfahrt kann man über eine mehr oder weniger gut Befestigte Straße zum Rand der Kaldera gelangen. Diese befindet sich in etwas über 2500 Metern Höhe. Von dort für dann ein “Dirt Track” in das innere des Krater in dem 7 Seen liegen. Erstaunlicher weise läßt sich der Dirt Track um einiges besser befahren als die Straße zum Kraterrand. Ob dies bei Regen auch so ist, möchte ich nicht ausprobieren. Nach dem Sonnenuntergang gegen 16:20 wird es in dieser Höhe allerdings sehr schnell kalt. Somit flüchte ich nach dem Zubereiten meines Abendessens auf dem Kocher mit all meinen Sachen ins Zelt und esse halb im Schlafsack liegend. Keine Wolke ist am Himmel und da der Mond schon fast wieder voll ist, braucht man um im Zelt rumzukramen nicht mal eine Taschenlampe. Auch der Wind bleibt in der Nacht still. Ich weiß nicht, ob ich schon mal eine so ruhige Nacht erlebt habe. Um kurz nach 6 geht die Sonne auf und schon bald wird es angenehm war, so das sogar der Pullover ausgezogen wird. Nach einem Frühstück mit heißem Kaffee, Brot, Nutella und einem Apfel streune ich etwas über die Hügel und entdecke in der Ferne ein paar Hirten. Also doch nicht gang alleine hier oben. Auf dem Rückweg zum Zelt sehe ich einen großen Schäferhund wegrennen. Hat mir das Biest doch glatt den Rest meine Brotes aus dem Lager geklaut. Muss ich in Zukunft besser aufpassen.
Den halben Tag rolle ich am Van See entlang, der 7 mal größer als der Bodensee ist. Unterwegs halte ich in Ahlat an, um ein bisschen einzukaufen. Aber natürlich muss ich mich erst einmal zum Cay hinsetzen. Einer der Jungs kramt dann eine Zeitung mit dem aktuellen Spielplan der Championsleague raus. Jeder einzelne Teamname wird mit den verschiedensten ausrufen versehen. Insbesondere die deutschen Teams. Danach muss ich mir noch den Imkershop angucken und natürlich ein riesen Stück Bienenwaben mit Honig probieren. Wusste gar nicht das man die Waben mitessen kann. Dann anschließenden Einkauf im Lebensmittelladen darf ich dann auch nicht bezahlen.
Weiter geht es vom See aus Richtung Norden. Di Straße steigt stetig in die Höhe um dann schließlich auf 2664 Metern den Scheitelpunkt des Passes zu erreichen. Auf dem Weg dorthin nähert sie sich auf stetig der türkisch-iranischen Grenze an. Die Grenztürme sind teilweise weniger hundert Meter von der Straße entfernt. An den Kontrollposten werde ich jedoch immer sofort durchgewunken. Mit der Passhöhe kommt nun auch das erste mal der Ararat in Sichtweite. Es sind nur noch 30 Kilometer bis zum Ort Dogubayazit am Fuße des Ararat. Ich bekomme ein Zimmer mit Blick auf den biblischen Berg und genieße eine heiße Dusche.
Wie immer auch neues bei den Bildern und der Route!