Gespannfahren in Jordanien
· Stephan
Salam aleikum. Nach nun 3 Wochen habe ich endlich mal wieder einen akzeptablen und bezahlbaren Internetzugang gefunden.
Nach dem Abstecher in die libanesischen Berge haben wir noch Tripolis, Biblos, die gigantischen Tropfsteinhöhlen Jeita Grotta, ein weiteres mal Beirut, Tyre im Süden und zum Schluß Baalbeck in den Weinbergen des Libanons besucht. Jeder dieser Orte hat uns ein anderes Bild von diesem Land vermittelt. Beirut als sehr moderne Stadt, Tripolis als ehr konservativ mit wieder vielen Menschen in traditioneller Kleidung und einer starken Polizeipräsens in den Straßen und Gassen. Biblos und Jeita Grotta sind vollkommen touristisch erschlossen. Um die ca 40 Höhenmeter auf einer Länge von 250 Metern zum Eingang der oberen Grotte zu überwinden setzt man sich einfach in die Seilbahn. Auch der Weg wieder runter ins Tal wird mit einer kleinen Bimmelbahn zurückgelegt. Da es dort außer den Höhlen auch nicht mehr zu sehen gibt und die Fahrkosten schon in den Eintrittsgeldern inklusive ist, macht das dann auch jeder. Tyre ist eine Stadt der man ihre kriegerische Vergangenheit auch noch gut ansehen kann. Bis vor kurzem gab es hier noch Flüchtlingslager. Baalbeck dann zum Schluss brachte uns in eine landlichere Welt, welche vielerorts vom Weinanbau geprägt ist. Was dann allerdings nicht heißt das man Alkohol so einfach auf der Straße kaufen und trinken kann. Außerdem gibt es ein paar sehenswerte Ruinen in Baalbek. Beim streifen durch eben diese wurden wir plötzlich durch nicht all zu ferne Gewehrsalven und Kanonenschläge aufgeschreckt. Im folgenden haben wir 3 verschiedene Einheimische nach dem Ursache für die Schüsse befragt, nur um sicher zu gehen das die Geschichte die sie uns erzählten auch wirklich wahr ist. In Baalbeck leben 2 verfeindete Familien die sich immer mal wieder bekriegen, das heißt man schießt dann auch mal mit kleineren oder größeren Waffen auf einander. Die Polizei unternimmt nichts, da in diesen abgeschiedenen Regionen halt andere Gesetze gelten und man so etwas lieber unter sich regelt.
Zurück in Damaskus, die Einreise verlief ohne Probleme, fand ich noch alles so vor wie ich es hinterlassen hatte. Das Motorrad stand noch vor dem Hostel und mein Gepäck stand unangetastet auf dem Treppenabsatz. Nach 2 weiteren Nächten sagte auch ich dann Damaskus “Good Bye” - Barni und Michi waren schon einen Tag vorher mit ihren Rädern aufgebrochen. Die Ausreise aus Syrien war lustig aber kein Problem. Der Zöllner dachte erst mein Motorrad seie schon ausgereist. Als ich ihm aber sagte, das es vor seinem Fenster stehe, durfte es halt noch einmal ausreisen. Die Einreise verlief auch Reibungslos. Wenn man die Zöllner mit der gnadenlosen Wahrheit konfontriert, klappt das meistens schnell: “Natürlich können sie einen Blick in die Alukoffer werfen. Aber sie haben Zeit? Ich muss erst alles andere abpacken um die Koffer öffnen zu können.” Und schon will keiner mehr wissen was in den Koffern ist.
In Jordanien erwarteten mich wieder sehr freundliche Menschen die einen jederzeit Willkommen heissen. Außderdem sind die Straßen in einem super Zustand. Lediglich die doch sehr häufigen Speedbumper nerven schon nach wenigen Kilometern.
In Amman blieb ich nur für 2 Nächte, da es aus meiner Sicht hier nicht so viel zu sehen gibt. Natürlich habe ich auch wieder meine ganzen alten Bekannten getroffen. Innerhalb der ersten Stunden in der Stadt sind wir uns alle in die Arme gelaufen. Und waren natürlich auch alle im selben Hotel abgestiegen. Das Zimmer teilte ich mir mit Matt aus NY den ich schon in Beirut kennen gelernt hatte.
Aber nach Amman gab es nun mal was ganz Neues. Barni war schon einmal in Jordanien, Michi nicht. Somit zog es Barni nach Israel. Michi und mich aber Richtung Süden zum Toten Meer. Somit bin ich nun also seit einigen Tagen mit einem Fahrradfahrer im Schlepptau unterwegs. Je nach Gelände und Straßenlage fahren wir zusammen, alleine - Michi fährt früher los und kommt später an - oder ich ziehe ihn. Gerade wenn ich Michi durch eine Ortschaft oder einen Checkpoint ziehe, können wir die große Erstaunung über dieses sonderbare Gespann in der Gesichtern der Menschen am Wegesrand ablesen.Nach Amman fuhre wir als erstes zum Toten Meer und campten dort neben dem Zelt eines Bauern direkt am Ufer. Natürlich waren wir auch schwimmen. Bloss eine Dusche hinterher fehlte uns. Die Klamotten kleben dann Abends am Körper. Nächstes Ziel war Dana Village im Dana Naturschutzgebiet in welchem wir einen ganzen Tag wanderten. Ich kann mich nicht dran erinnern wann ich einmal so eine Ruhe erlebt habe. Im Dana Tower Hotel - wir hatten das Zimmer Ali Baba - könnte ich auch eine Woche bleiben, so lieb sind die Menschen dort. Von diesem herrlich ruhigen Ort ging es dann in die Touristen-Hochburg von Jordanien: Petra
Nach dem wir nun 2 ganze Tage nur durch diese 2000 Jahre alte Stadt gelaufen sind und uns immer erst nach Sonnenuntergang auf den Rückweg zum Ausgang gemacht haben, haben wir nun das Gefühl, das wir eine ungefähre Ahnung von Petra haben. Um alles zu sehen brauchten wir wohl mehr als eine Woche. Hinter jeden Felsvorsprung und in jeder Nische in diesem weitläufigen Areal lässt sich ein weitere Zeugnis dieser vergangenen Kultur finden. Abseits der ausgetreten Touristenpfade zu den Hauptaktraktionen - welche wirklich atemberaubend sind - fühlt man sich wie ein Entdecker und möchte gar nicht mehr aufhören weiter zu suchen. Oft ist es nur die Vernunft oder die fehlenden Kletterkünste die einen davon abhalten noch weiter in Schluchten oder auf Gipfel vorzustossen, in/auf welchen man schon neue Grabmale oder Felsarbeiten ausgemacht hat.
Wie immer gibt es auch wieder Bilder und die Route.
1 Zuschrift
Andreas Illmer
Hi Stephan, schön mal wieder was von Dir zu lesen. Wahnsinns Bilder hast Du mal wieder dabei ... dass ich Dich um den Trip beneide, habe ich ja schon mehrfach gesagt, insofern spar ich mir das heute mal ;-) Schöne Grüße aus Essen und weiterhin gute Reise, Andreas